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Vergabegesetz soll Ende Februar vorliegen

Foto: b.c.

Interview der Zeitschrift "Offene Worte" des Kreisverbandes der LINKEN Barnim

Im Koalitionsvertrag haben SPD und LINKE die Einführung eines Vergabegesetzes für Brandenburg festgeschrieben. Sie haben seit Jahren dafür gearbeitet. Wie lange muss Brandenburg noch warten?

Das Vergabegesetz soll Ende Februar vorgestellt werden. Es wird „Gesetz über die Mindestanforderungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge“ heißen. Die Gesetzesbezeichnung ist auch Programm.

Was sind die wichtigsten Eckpunkte?

In Gesprächen mit den Gewerkschaften und den Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern haben wir dargestellt, dass im Gesetz ein Mindestlohn bei der Vergabe öffentlicher Aufträge festgelegt werden wird, und zwar in Höhe von 7,50 € pro Stunde. Sofern Tarifverträge einen höheren Lohn regeln, sind diese natürlich anzuwenden. Unter anderem wird es auch Regelungen zur Vergabe beim Öffentlichen Personennahverkehr geben.

Wir wollen den Widerspruch zwischen Haushaltsrecht („sparsamster Umgang mit Geldern“) und Vergaberecht („wirtschaftlichstes Angebot“) durch eine Preis-Gleit-Spanne auflösen und den Vergabeinstitutionen Rechtssicherheit geben. Denn obwohl die Regel „wirtschaftlichstes Angebot“ bereits gilt, wird derzeit in der Regel auf das preiswerteste zurückgegriffen. 

Sie haben „Wachstum und Beschäftigung“ als oberstes Ziel definiert. Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet in der derzeitigen Krise: Der öffentliche und private Kapitalmarkt muss speziell für die kleinen und mittleren Unternehmen zugänglich sein. Unternehmen bei der Sicherung ihrer Liquidität zu unterstützen, ist eine vordringliche Aufgabe der Wirtschaftspolitik. Und wir werden uns der Fachkräftesicherung widmen.

Was können Sie tun?

Anstelle von Zuschüssen will ich stärker auf Bürgschaften und Beteiligungen sowie auf Darlehensfinanzierung setzen. Außerdem wird derzeit im Wirtschaftsministerium geprüft, wie kleinen und mittleren exportorientierten Unternehmen geholfen werden kann. Denn vergleichsweise kleine märkische Firmen haben zunehmend Schwierigkeiten bei der Vorfinanzierung von Auslandsaufträgen.

Die USA haben vorgeschlagen, den Eigenhandel der Banken zu begrenzen und eine Trennung von Investment- bzw. Kreditbanken vorzunehmen. Was halten Sie davon?

Es muss schnell etwas passieren. Die Finanzmärkte sind weiter instabil. Staatliche Hilfsgelder fließen nicht ausreichend in Investitionen, damit baut sich schon wieder eine „Spekulationsblase“ insbesondere im Bereich Aktien- und Rohstoffhandel auf. Und zwar auf der Basis der Steuergelder, die eigentlich zur Stabilisierung des Finanzsystems bereit gestellt wurden. Das darf nicht sein. Denn andererseits werden Banken ihrer Verantwortung, den Kreditmarkt zu bedienen, nicht gerecht. Ich halte die Grundstruktur des Vorschlags von Barack Obama deshalb für richtig.

Sie haben sich von Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP) distanziert, der weitere Steuersenkungen fordert. Was wollen Sie?

Erst einmal ein Ende der Debatte über Steuersenkungen. Ich kann nicht erkennen, dass weitere Steuersenkungen zu mehr Investitionen führen. Viel wichtiger wäre stattdessen für kleine und mittelständische Unternehmen, das Sonderprogramm der staatlichen KfW-Bankengruppe so umzugestalten, dass der Kreditzugang erleichtert wird. Durch zu hohe Bonitätsforderungen wird Unternehmen faktisch der entscheidende Zugang zu Geld verwehrt. Ich bin auch bundesweit für den Ausbau von Bürgschaftssystemen und werde dies auch weiterhin als Vorsitzender der Wirtschaftsministerkonferenz thematisieren.  


18. Februar 2010

Kabinett verabschiedete Eckpunkte zum Vergabegesetz

Am 16. Februar verabschiedete die Landesregierung nunmehr ein von Wirtschaftsminister Christoffers eingebrachte Eckpunktepapier für das geplante Vergabegesetz. Es soll in den kommunalen Spitzenverbände, den Gewerkschaften und Kammern diskutiert werden und schließlich in einem Gesetzentwurf münden, der Ende Mai oder Anfang Juni durch den Landtag beschlossen werden könnte.

Anders als beispielsweise in Berlin werden keine zusätzlichen sozialen und ökologischen Standards von den Unternehmen gefordert. Christoffers sagte, das Gesetz werde diese Vorschriften der Internationalen Arbeitsorganisation nicht explizit enthalten, da diese ohnehin schon in Deutschland gelten würden. Auch der Nachweis einer Ausbildungsquote von Unternehmen sei nicht mehr aktuell, da es anders als noch vor fünf Jahren inzwischen ausreichend Ausbildungsplätze gebe.

Das Gesetz soll auch Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten enthalten. Allerdings sollen nach Ansicht von Christoffers die Betriebe nicht mit zu hohen bürokratischen Auflagen überfrachtet werden.

(W. K.)

 

 

4. Februar 2010

Antrittsbesuch in Brüssel

Der brandenburgische Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten, Ralf Christoffers, führte anlässlich seines Antrittsbesuchs in Brüssel am 27.1.2010 Gespräche mit den Brandenburger Europaabgeordneten, dem für die EU-Regionalpolitik zuständigen Generaldirektor Ahner sowie dem deutschen EU-Botschafter Dr. Duckwitz.

In der Landesvertretung stellte der Minister den brandenburgischen Europaabgeordneten seine europapolitischen Schwerpunkte vor und besprach mit ihnen EU-Fördermaßnahmen für den Bereich erneuerbare Energien sowie die CCS Technologie zur Abscheidung und Lagerung von CO2. Zudem wurden Maßnahmen zur verstärkten Kommunikation europapolitischer Themen in Brandenburg erörtert. Anschließend traf Minister Christoffers mit dem Generaldirektor der Generaldirektion Regionalpolitik der EU-Kommission, Dirk Ahner, zusammen.

Themen seines Gesprächs waren insb. die Lissabon Nachfolgestrategie Europa
2020 sowie die Zukunft der Regionalpolitik in der nächsten Förderperiode ab 2014. Hierbei unterstrich Minister Christoffers die Notwendigkeit angemessener Übergangsregelungen für die dann aus der EU-Höchstförderung herausfallenden Regionen. In seinem abschließenden Gespräch mit dem Ständigen Vertreter Deutschlands bei der EU, Botschafter Dr. Edmund Duckwitz, stellte der Minister die Bedeutung der bisherigen regionalpolitischen Maßnahmen der EU für die wirtschaftliche Entwicklung im Land Brandenburg dar und warb für deren Fortsetzung sowie für die Unterstützung energiepolitischer Vorhaben des Landes mit EU Bezug. Zudem informierte er sich über die Aufstellung der neuen EU-Kommission. Die geführten Gespräche wurden von allen Seiten als sehr informativ und zielführend eingestuft.

Minister Christoffers nutzte den Brüssel-Besuch, um sich von den Mitarbeitern seiner Landesvertretung über weitere aktuelle EU-Themen mit Brandenburgbezug berichten zu lassen. Bei seiner Reise wurde er vom Leiter seiner Abteilung Europa und Internationales, Reinhardt Oehler, begleitet, der sich am Folgetag bei der EU-Kommission eingehend über den derzeitigen Stand der Überlegungen zur inhaltlichen und finanziellen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie des Europäischen Sozialfonds in der kommenden Förderperiode informierte.
(Dr. Marcus Wenig in "Kurznachrichten der Vertretung des Landes Brandenburg bei der EU" Nr. 01/10 vom 03.02.2010)