2. Juli 2010
OW-Interview mit Ralf Christoffers, Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten, MdL
Sie waren Ende Juni in Shanghai und Hanoi. Warum reist der Wirtschaftsminister eines Bundeslandes nach Asien?
Anlass war die Präsentation Brandenburgs anlässlich der EXPO in Shanghai. An speziellen „Branchentagen“ haben unter anderem die märkische Energiewirtschaft und die Umwelt- und Ernährungswirtschaft einen Überblick über ihr Leistungsspektrum geboten. Im Gegensatz zu anderen Länderdelegationen haben wir uns auf diese Schwerpunkte konzentriert und sind mit zwei Unternehmerdelegationen (eine durch die IHK, eine durch das Wirtschaftsministerium organisiert) gereist. Wir haben damit an seit längerer Zeit bestehende Kontakte angeknüpft.
Aber was tun Sie dort als Wirtschaftsminister?
Ich habe die Wirtschaftskraft Brandenburgs in einer Präsentation dargestellt. Dazu gab es höchstes Interesse von der chinesischen Seite. Das ist nicht nur in Asien eine Funktion, die Politik wahrnimmt, um deutlich zu machen, dass Kooperationen gewollt und unterstützt werden. Es gab auch Gespräche mit politisch Verantwortlichen von Shanghai und der Provinz Heilongjiang sowie mit chinesischen Unternehmen, die Interesse an einem Engagement in Brandenburg haben. Unterstützt wurden wir von der Außenhandelskammer und dem Generelkonsulat in Shanghai.
Warum können das die Unternehmen nicht allein machen, wozu ist die politische Unterstützung nötig?
Es ging nicht um das Interesse einzelner Unternehmen, sondern um die Leistungsfähigkeit Brandenburgs. In diesem Rahmen haben Unternehmer Einzelgespräche mit chinesischen Unternehmen geführt.
Und die Ergebnisse?
Nach der Präsentation in Shanghai wurden vier Abkommen unterzeichnet. Ein Partnerschaftsvertrag mit der chinesischen Provinz Heilongjiang, die das Zentrum der chinesischen Luft- und Raumfahrt und der erneuerbaren Energien ist. Sie liegt im Nordosten des Landes und hat rund 38 Millionen Einwohner. Möglich wäre, dass damit eine Zusammenarbeit mit Brandenburger Unternehmen dieser Branchen gefördert wird. Zwei Abkommen wurden mit der Brandenburger Technischen Universität Cottbus und zwei chinesischen Universitäten zum gegenseitigen Anerkenntnis von Abschlüssen unterzeichnet. Ein viertes Abkommen wurde zum Aufbau eines Ausbildungszentrums im Ernährungsgewerbe durch das Brandenburger Institut für Getreideverarbeitung (IGV) in China unterzeichnet.
Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Ja, sehr. Das Generalkonsulat hat uns bestätigt, dass so konkrete Abschlüsse selten sind. Unsere Herangehensweise, sich auf einige Themen zu beschränken, hat sich bestätigt.
Und was haben Sie in Vietnam erreicht?
Mit einer dritten Brandenburger Unternehmerdelegation waren wir in Hanoi. Dort haben wir Gespräche mit dem Außen- und Transportministerium geführt. Wir hatten mehrere Präsentationen vorbereitet, die Vietnam den Vorschlag unterbreiteten, die Modernisierung der Eisenbahnstrecken zusammen mit einem Konsortium zu realisieren, dem Brandenburger Unternehmen angehören. Vorbereitet haben wir diese Gespräche seit November 2009. Mit der vietnamesischen Eisenbahn wurde nun eine Vereinbarung unterzeichnet, dass beide Partner gemeinsam eine Studie entwickeln, die die Entscheidungsgrundlage für die vietnamesische Regierung sein soll. Dabei geht es um die Sanierung des rund 4.000 Kilomenter langen Eisenbahnnetzes, das mit Schmalspur betrieben wird und nur noch Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern zulässt. Außerdem haben wir die Vorteile des neuen Großflughafens BBI dargelegt – als einem bestens geeigneten Knotenpunkt, um Fernverbindungen nach Asien zu realisieren.